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Podcast-Folge 16: Managementsysteme und die Krise – Shownotes

Erst vor Kurzem wurde ich gefragt: „Wenn ich Risikomanagement und Business Continuity Management implementiert habe – wozu brauche ich noch Krisenmanagement?“

Diese und ähnliche Fragen haben mir klargemacht, dass es einige Managementsysteme rund um das Thema der Resilienz gibt, deren Abgrenzungen aber vor allem auch gegenseitige Synergien häufig nicht ganz klar sind. In dieser Podcast-Folge gehe ich genau darauf ein:

  • Risikomanagement: Umgang mit Gefahren, welche mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auftreten und einen bestimmten Schaden verursachen können. Im Risikomanagement werden Maßnahmen gesucht, Risiken zu vermeiden, ihre Auswirkungen zu überwälzen (z.B. Versicherung) oder aber Eintrittswahrscheinlichkeit bzw. Auswirkung zu reduzieren. Oft wird aber die zeitliche Ausdehnung eines Ereigniseintritts nicht ausreichend berücksichtigt (= Stärke des Business Continuity Managements). Ebenso werden nicht immer alle möglichen Kombinationen aller Risiken bearbeitet. So kann es zu unvorhergesehenen Situationen kommen, die nur mittels Krisenmanagement bewältigt werden können.
  • Issue Management: Maßnahmen bzw. Werkzeuge für die systematische und standardisierte Abarbeitung von Ereignissen. Kann genutzt werden um Auslösepunkte für Notfall- und Krisenmanagement zu realisieren.
  • Störungsmanagement: Bewältigung von Ereignissen im Rahmen der „normalen“ Aufbau- und Ablauforganisation sowie Entwicklung von Maßnahmen zur Reduktion derartiger Ereignisse. Muss jederzeit Eskalationen hin zu Notfall- und Krisenmanagement zulassen bzw. unterstützen.
  • Notfallmanagement: Bewältigung von Ereignissen mit spezieller Aufbau- bzw. Ablauforganisation. Diese Bewältigung kann bei Notfällen detailliert vorausgeplant werden („Kochrezepte“, Checklisten, Standards, Trainings), sodass sie vor allem auf den dispositiven und operativen Ebenen abläuft.
  • Business Continuity Management (BCM): Aufrechterhaltung der wesentlichen Wertschöpfungsprozesse respektive möglichst rasche Wiederherstellung. Bei der Planung wird besonderes Augenmerk auf die zeitliche Komponente (z.B. Abhängigkeit der Auswirkung von der Dauer des Ausfalls) gelegt. Liefert damit wesentliche Inputs für die Regeneration nach einer überstandenen Krise.
  • Krisenmanagement: Metakompetenzen um im Falle eines unvorhergesehenen und existenzbedrohenden Ereignisses (bzw. einer Ereigniskombination) die Existenz der Organisation auf strategischer Ebene sicherzustellen.
  • Katastrophenmanagement: Ein Ereignis betrifft eine gesamte Region (oder sogar mehr), wobei für die Bewältigung die Ressourcen der Region alleine nicht ausreichen. Damit sind aber auch alle Organisationen, Unternehmen und Behörden innerhalb der Region selbst betroffene und benötigen die Planungen und Kompetenzen aus allen vorherigen Disziplinen zur Bewältigung. Das zeigt, dass die Resilienz einer Gesellschaft direkt davon abhängt, wie gut alle ihre Mitglieder – von der einzelnen Person über Familien, Gemeinden, Unternehmen und Organisation bis hin zu den Behörden – selbst vorbereitet sind und ihre eigene Funktionsfähigkeit oder zumindest Struktur aufrecht erhalten können.

Alle diese Bereiche bzw. Disziplinen müssen als Komponenten eines Managementsystems gesehen, definiert und umgesetzt werden und nicht konkurrierend nebeneinander. Es muss quer über diese Themenbereiche intensiv kommuniziert und ausgetauscht werden. Das beginnt mit einer proaktiven Risikokommunikation und endet mit einem professionellen After-Action-Review.


Wenn sie Wünsche oder Anregungen haben, freue ich mich wie immer über eine Email: podcast@krisenmeisterei.at

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